
Der Postreiterdienst zwischen dem Missouri und der Pacific-Küste gilt bis heute als eine der bedeutendsten Pioniertaten in der Besiedlungsgeschichte Nordamerikas. Der Pony Express dauerte nur anderthalb Jahre, aber er verklärte schon zur Legende, als die drahtigen, sonnenverbrannten Reiter noch durch Steppen, Wüsten und Berge, durch Hagelstürme, reißende Flüsse, Blizzards und Gluthitze ihre Post ans Ziel brachten.
Kurierreiterdienste
waren zwar keine amerikanische Erfindung, aber auch in Amerika tauchten schon früh
vereinzelt Postreiter auf kurzen Strecken in den Neuenglandstaaten im Osten auf.
Ab 1848 führte die Pacific Mail Steamship Company William H. Aspinwalls
monatlich Transporte über Panama bis nach Kalifornien durch und bereits 1851
versprach George Chorpenning, einmal monatlich binnen 30 Tagen Fracht bis Salt
Lake City zu befördern. 1856 wurde endlich ein Gesetz zur Überland-Postbeförderung
verabschiedet. Es bestimmte den Transport in Kutschen, in denen zudem bis zu 6
Passagiere befördert werden konnten. Der Vertrag ging an die Butterfield
Overland Mail Company, zu der sich die Unternehmen Adams Express Company,
American Express Company, National Express Company und Wells, Fargo &
Company zusammenschlossen. Um allen Partner gerecht zu werden, rollten die Wagen
einen verschlungenen 2.700 Meilen langen Weg in durchschnittlich 23 Tagen.
1859
bewältigte die von William Russel und John S. Jones übernommene Leavenworth
& Pike's Peak Express Company die Strecke nach Denver bereits in 19 Tagen.
Nachdem William Russell John Hockadays Vertrag für die Postlieferung von St.
Joseph nach Salt Lake City gekauft hatte, und die notwendigen Investitionskosten
für die Leavenworth & Pike's Peak Express Company alle Erwartungen übertrafen,
wurde die Firma 1859 in das Unternehmen Russell, Majors & Waddell übernommen.
Es erhielt den Namen Central Overland California & Pike's Peak Express
Company. Teilhaber waren neben William Russell, Alexander Majors und William
Waddell, John S. Jones, Benjamin C. Ficklin, Benjamin C. Card, Webster M.
Samuel, Jerome B. Simpson und Joseph Monheimer. Im Mai 1860 gelang es Russell,
den Postvertrag von George Chorpenning von Sacramento bis Salt Lake City zu übernehmen.
Damit verfügte er endlich über das alleinige Recht der Postbeförderung
zwischen St. Joseph, Missouri und Sacramento, Kalifornien. Es erschienen zwei
eher unauffällige Meldungen im New York Herold und im Missouri Republican,
wonach am 3. April 1860 ein regelmäßiger Express-Reiter-Dienst
zwischen St. Joseph, Missouri, und San Francisco, Kalifornien, aufgenommen
werden würde. Die 1.966 Meilen lange Route sollte in 8 - 10 Tagen bewältigt
werden. Der Pony Express war geboren. Es wurden Hunderte von Pferden gekauft und
120 Postreiter eingestellt, deren übliche Kleidung aus einem hirschledernen
Jagdhemd, Hosen aus festem Stoff, Stiefeln oder Schuhen und einer Mütze oder
einem Filzhut bestand. Der Reiter trug selten weitere Waffen außer einem
Bowiemesser, manchmal einem Colt-Revolver oder ein Gewehr, das er um die
Schultern hängen hatte. Der vielleicht bemerkenswerteste Reiter war
"Pony" Bob Haslam, der während des Paiute-Krieges wegen fehlender
Anschlussreiter 380 Meilen zurücklegte und trotzdem pünktlich ankam.
1861
befasste sich ein Untersuchungsausschuss des Kongresses mit Unregelmäßigkeiten
in Russells Geschäftsgebaren. Damit waren alle Chancen auf weitere
Regierungsaufträge vertan. Am 2. März 1861 verabschiedete der
Kongress das neue Postgesetz für die Verbindung mit Kalifornien und übertrug
der Overland Mail Company den Postdienst zwischen Missouri und Placerville,
Kalifornien. Die Route sollte täglich an sechs Tagen in der Woche bedient
werden. Zusätzlich sollte der Pony Express zweimal wöchentlich, bis zur
Fertigstellung der bereits im Bau befindlichen transkontinentalen
Telegraphenlinie, weitergeführt werden. Am 16. März 1861 schlossen
die Overland Mail Company und die Central Overland California & Pike's Peak
Express Company einen Vertrag, in dem sie den Post- und Passagierdienst zwischen
sich aufteilten. Da der reguläre Pony Express jetzt in Placerville endete,
begann Wells, Fargo & Company ab dem 1. Juli 1861 einen eigenen Pony
Express-Dienst zwischen San Francisco und Placerville. Am 24. Oktober 1861 wurde
die transkontinentalen Telegraphenlinie in Betrieb genommen und das Schicksal
des legendären Pony Express war endgültig besiegelt.
Geblieben
war der Mythos. Der Mythos von jungen, mutigen Reitern, die wie die
amerikanische Bewegung nach Westen waren - nichts konnte sie aufhalten!
Dieser Mythos wirkt bis in die heutige Zeit. Seit 1976 erfolgt in den USA einmal jährlich im Sommer ein Pony Express-Ritt auf der historischen Strecke. Tschechische Reiter griffen diese Idee auf und starteten 1985 den ersten europäischen Pony Express, der bereits 1989 die tschechisch-deutsche Grenze überschritt und inzwischen ebenfalls zu einer Tradition geworden ist. Seither wird der European Pony Express jedes Jahr im August geritten. Seit 2001 wird der European Pony Express über die Territorien von Deutschland, Österreich, der Slowakei, Tschechien und Polen geführt. Wieder werden etwa 220 europäische Reiter am 2.200 km langen Ritt des European Pony Express teilnehmen und ihrerseits die ihnen anvertraute Post durch Wälder, über Wiesen und Flüsse, bei Sonnenschein, Nebel und Regen, bei Tag und bei Nacht pünktlich ans Ziel bringen.
![]()
© 2002 by Katrin Maerten, Wintermor / Germany.Letzte Änderung: 30.04.02