Das Morgan Horse ist etwas ganz Einzigartiges, denn es ist die einzige Rasse,
die sich auf einen einzigen Hengst zurückführen lässt, nach dem sie auch
benannt ist. Dieses Pferd hieß ursprünglich Figure, wurde aber nach seinem
Besitzer, einem armen Gesanglehrer, der im 18. Jahrhundert in England wohnte,
nur als das »Pferd von Justin Morgan« bekannt.
Das kleine, kaum 143 cm große und nur etwas mehr als sieben Zentner schwere
Pferd wurde im Jahre 1795 von besagtem Justin Morgan als zweijähriges Pferd
erworben und entpuppte sich bald als ein außerordentlich starkes und
vielseitiges Tier.
Trotz seiner geringen Größe nahm es an Holztransport-Wettbewerben teil, verlor
angeblich dabei niemals, und bewegte Lasten, die Pferde von einem Gewicht von
elf Zentnern nicht schaffen konnten. Es arbeitete vor dem Pflug, vor dem Wagen
und leistete auch die schwere Arbeit des Felsen- und Baumstammtransports über
unwegsames Gelände.
Justin Morgans Pferd nahm an vielen Rennen teil. Es lief meistens die Distanz
von einer Viertelmeile (440 m) und ist auch hier angeblich nie geschlagen
worden, weder unter dem Sattel noch im Geschirr. Natürlich wurde mit ihm auch -
damals noch unkontrolliert - gezüchtet, und alle seine Nachkommen zeigten die
gleichen bemerkenswerten Eigenschaften wie er: Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer
und einen angenehmen Charakter.
Über seine Herkunft weiß man nichts Genaues. Einige behaupten, er sei ein
Hengst aus holländischer Zucht gewesen, andere glauben, er stamme von einem
Hengst namens True Briton ab. Dieser Hengst soll ein Vollblüter gewesen sein,
aus anderer Leute Mund hört man wieder, er sei ein Cob gewesen, vor allem
deshalb, weil sein Name in der Cob-Zucht häufig vorkommt. Die Statue von
Morgans Pferd, die in der Morgan Horse Farm in Vermont, USA, steht, zeigt in der
Tat ein Pferd mit vielen Cob-Kennzeichen, und die modernen Morgan-Pferde sind in
vielen Dingen den Welsh Cobs sehr ähnlich. Das auffälligste Merkmal dabei ist
wohl der in Cob-Manier sehr hoch getragene Kopf, vor allem wenn die Pferde im
Geschirr laufen.
Die heutigen Morgan-Pferde sind wie ihre Vorfahren erstaunlich vielseitig, gehen
hervorragend unter dem Sattel und ebenso gut vor dem Wagen. Man sagt ihnen nach,
dass sie die größten Konkurrenten für Araber sind, wenn es um Ausdauer und Härte
bei Distanzritten geht. Ihre Eleganz, ihr Adel und ihre Aufrichtung machen aus
ihnen ideale Pferde, die an privaten Fahrturnieren teilnehmen können, an
sogenannten Concours d' elégance. Außerdem haben sie großes Springtalent. Bei
den Olympischen Spielen 1948 in London gewann sogar ein Morgan-Pferd, Arete,
unter dem inzwischen verstorbenen Springreiter General Humberto Mariles eine
Goldmedaille.
Zwei Typen sind entstanden - das Park Horse und das Pleasure Horse. Im Prinzip
sind sie sich sehr ähnlich, doch entwickelte das Park Horse (so genannt, weil
es ursprünglich vornehmlich in den Parks der Südstaaten Amerikas geritten
wurde) eine große Knieaktion im Trab. Das Pferd zeigt viel Bewegung und
Aufrichtung, es trägt sich selbst - wie man sagt. Man hat das Gefühl, dem
Pferd macht das Laufen Spaß und es bewegt sich gern. Der auffallende Trab wird
erst im Alter von etwa sieben Jahren entwickelt, und es ist nicht gesagt, dass
sich diese Eigenschaft vererbt. Die Nachkommen eines Park-Horse-Hengstes und
einer ebensolchen Stute müssen nicht unbedingt diese Eigenschaft haben. Und
antrainieren kann man so etwas einem Morgan Horse nicht! Morgans sind typisch
amerikanische Pferde, doch gibt es sie inzwischen auch in Europa.
Größe: zwischen 143 und 153 cm
Farbe: Braune, Rappen, gelegentlich Füchse.
Kopf: nicht zu groß, trocken, mit schönem Profil von den Wangen bis zum
Maul. Das Nasenprofil kann gerade, aber auch leicht gebogen sein, jedoch nie
ramskopfartig. Breite, trockene Unterkiefer. Mittelgroßes Maul mit kleinen,
festen Lippen und großen Nüstern. Ohren sollten klein, weit auseinanderstehend
und aufmerksam gespitzt sein. Augen groß und klar.
Hals: mittellang, mit ausgeprägtem Mähnenkamm. Klare Kehllinie. Sanfte
Schrägung bis zu den Schultern. Mähne und Schopf lang und dicht.
Schultern: lang, schräg, sanft übergehend in einen ausgeprägten, aber
nicht zu hohen Widerrist.
Gebäude: viel Gurtentiefe. Kurzer, breiter, muskulöser Rücken. Breite
Lenden und muskulöse, geschlossene Kruppe. Mittelhand groß und ziemlich rund.
Gut behoste Hinterhand.
Gliedmaßen: kurze, gerade, gut auseinanderstehende Vorderbeine. Ober-
und Unterschenkel muskulös mit kurzen, flachen Röhrbeinen. Fesselgelenke nicht
rund, eher breit. Fesseln klar und kräftig, von mittlerer Länge, Neigung
entsprechend der Schulterschräge. Hufe von mittlerer Größe, fast ganz rund.
Breite, trockene Gelenke.
Aktion: flacher, elastischer, schneller Schritt mit viel Raumgriff. Der
Trab muss aufrecht, frei, versammelt und ausbalanciert sein; der Galopp sanft,
leichtfüßig, versammelt und auf jeder Hand gleichermaßen gut.
Aus "Das große Pferdebuch" von Carol Foster (Verlag:
Unipart),