Wir haben unser Fahrabzeichen gemacht.
Ich hatte vor Jahren einen Fahrkurs besucht, der mir die Fahrlehre näher
brachte. Ich lernte, welche Anspannungsarten es gibt und was sich Benno von
Achenbach, nach ihm ist die deutsche Fahrlehre begründet, alles so gedacht
hatte. Leider konnte ich dort, wo dieser Kurs stattfand, die Abzeichenabnahme
nicht durchführen lassen, da wir nur einspännig fahren konnten. Inzwischen ist
es möglich, das Fahrabzeichen der FN auch 1-spännig abzulegen.
Aber fangen wir von vorn an:
Unseren Eddy können wir nicht nur reiten sondern auch fahren. Die Stute
soll noch eingefahren werden, sie ist schon soweit, dass sie das komplette
Geschirr 'drauf hatte und ich mit der Doppellonge vom Boden aus fahren kann. Der
nächste Schritt ist das Ziehen kleinerer Gewichte (also eine Person, die sich
leicht gegenanstemmend "ziehen" läßt). Wir lassen uns viel Zeit aber
irgendwann wollen wir schon 2-spännig fahren! Daher der Gedanke: Wir machen
einen Fahrkurs, in dem ich hauptsächlich meine Kenntnisse auffrische, vertiefe
und vor allem auch über das Mehrspännige fahren noch mehr erfahre. Thomas
möchte dieses Hobby mit mir teilen und erklärte sich kurzerhand bereit, den
Abzeichenkurs mit mir zusammen zu machen.
Es sollte ein "Langzeitkurs" werden, denn Thomas hatte bisher noch
fast gar keine theoretischen Kenntnisse aus dem gesamten Bereich, denn es
gehört sehr viel dazu: Anatomie, Krankheiten, Erste Hilfe, Fütterung, Haltung,
Giftpflanzen, Farblehre, Verladen, Vormustern .... und dann eben auch die
speziellen Themen zum Fahren, wie Anspannungsarten und -stile, Kutschenlehre
einschl. der dazugehörigen Technik, Geschirrkunde, Leinenaufnahme und
-Haltungen usw.
Wir begannen Anfang März 2002, die Prüfung sollte "schon" am
28.05.02 stattfinden. Dienstags war Theorie, am Wochenende war dann praktischer
Unterricht - gleich von Anfang an!
Zuerst war es sehr, sehr aufregend, plötzlich mit den sehr lieben
Schulpferden, es waren Friesen, durchs Gelände zu fahren, saß doch der Griff,
den wir am Fahrlehrgerät gelernt hatten nur, wenn wir ausreichend Zeit hatten.
Die hatten wir natürlich im Gelände nicht unbedingt, obwohl man sich ja
rechtzeitig auf das z.B. Anhalten an Kreuzungen vorbereiten konnte ;-) Es wurde
also geübt, geübt und wieder geübt. Irgendwann war es dann soweit: Wir
sollten auf dem Fahrplatz fahren. Obwohl dieser Platz sehr groß ist (40m x
80m), kamen die Ecken doch ständig und sehr plötzlich *g* Aber auch hier
klappte es nach der ersten Aufregung ganz gut.
Thomas und ich hatten häufiger die Gespräche, mit welchem Pferd wir wohl
die Prüfung machen würden. Nachdem unsere Fahrlehrerin Eddy bei einer knapp
zweistündigen Fahrt rund um unseren Stall kennengelernt hatte und meinte, dass
ER
die
Prüfung gehen könne, stand für mich sofort fest, dass ich sie mit Eddy machen
würde. Thomas war nicht sooo überzeugt, denn Eddy mochte es nicht so sehr,
gerade zu Anfang, also direkt nach dem Anspannen, lange stehen zu bleiben. D.h.
die Leinenaufnahme, die jeder Fahrer zeigen muß, mußte man schon zügig
vornehmen und ob Eddy die Geduld für 2 Fahrer aufbrachte? Naja, wir hatten ja
noch einige Übungstage vor uns.
Die praktischen Übungen mit den Schulpferden klappten schon sehr gut und
wir wollten unbedingt mit Eddy auf dem Platz üben, denn das hatten wir vorher
noch nie gemacht: Was würde Eddy wohl dazu sagen? Es ist ja doch "ein ganz
anderer Schnack" mit einem Pferd im Gelände oder aber auf dem Dressurplatz
eine Prüfung zu fahren! Also ab mit Eddy in den Anhänger und zum Üben zum
Stall unserer Fahrlehrerin. Das Ergebnis: Wir waren erstaunt, wie gut alles
klappte. Eddy ist wirklich ein Toller - total lieb und geduldig zog er den Wagen
(die Marathonkutsche der Fahrlehrerin) so wie wir wollten über den Platz, er
hielt genau an den von uns gewünschten Punkten und trabte ebenso punktgenau
wieder an. Ich glaube, das war der Moment, wo Thomas sich auch schon für Eddy
als Prüfungspferd entschieden hatte, aber er kam zeitweilig wieder ins
Schwanken, denn die Schulpferde waren sehr gut ausgebildet!
Nach 12 Wochen stetigem Lernen, Abfragen, Üben, Fiebern und Schwitzen kam
der Tag der Prüfung:
Unsere Kutsche, wir haben eine Wagonette, brachten wir bereits am Vortage zum
Friesenhof, das Geschirr wurde gewienert, Eddy besonders gut geputzt. Beim
Fahren darf die Mähne "offen getragen" werden, so mußten wir nicht
auch noch einflechten. Thomas und ich trugen eine schwarze Jeans, ein schickes
Jackett dazu und selbstverständlich durfte der Hut nicht fehlen!
Am Morgen des Prüfungstages kamen wir mit unserem Eddy um 9 Uhr in
Gilmerdingen an, wir hatten verabredet, ihn auf eine kleine Weide zu stellen.
Das Wetter zeigte sich nicht von der besten Seite, denn es war bedeckt. Kurz
bevor der theoretische Teil der Prüfung losging, fing es an zu regnen - Eddy
durfte im Stall schnell eine Box beziehen!
Wir wurden nun in allen Bereichen, die wir vorher gelernt
hatten, abgefragt, mussten zuerst den Basispass ablegen, dann die Theorie und
schließlich auch Fahren. Inzwischen war die Wolkendecke wieder aufgebrochen und
es war nun den ganzen Tag trocken.
Wir hatten vorher mit den anderen Teilnehmern, wir waren 7 Fahrer, die
Reihenfolge abgesprochen. Wir waren als 2. dran, hatten also genügend Zeit zum
anspannen. Doch es kam alles anders als geplant: Die Prüfer hatten sich
aufgeteilt, so dass wir auch schon, mit dem ersten Fahrer zusammen, unser Pferd
fertig angespannt haben sollten. Es sollte vorab von allen die Leinenaufnahme
gezeigt werden und dazu teilten die Richter die Gruppe auf: Thomas und ich
kannten ja unseren "Wippstert", aber ein weiterer Prüfling sollte
auch zu uns stoßen - das kann ja etwas werden.... Wir haben also unseren Eddy,
den wir an unserem Anhänger angebunden hatten, aufgeschirrt und sind dann zur
Kutsche gegangen, um anzuspannen. Dort wartete der Richter bereits auf uns und
wir sollten beginnen. Aber als ob Eddy wusste, worum es UNS ging, blieb er
relativ artig stehen. Kleine "Schwenker" mit der Vorderhand konnten
von allen übersehen werden ;-)
So, nun sollte es gleich weitergehen: Ab zur Geländefahrt (Hilfe, die war lt.
unserer Fahrlehrerin doch erst nach der Dressuraufgabe geplant!) Aber es
klappte ganz gut und Thomas und ich fuhren ordnungsgemäß die Wege, die der
Prüfer wollte. Danach sind wir auf den Dressurplatz gekommen, wo unsere
Trainerin eigentlich auf uns warten sollte, um uns als Beifahrerin zur Seite zu
stehen und die Dressuraufgabe ansagen würde, denn wir brauchten sie nicht
auswendig zu fahren. Aber: Keiner da....! Die Prüfer drängten und wir sollten
beginnen. Erst dachten wir noch, "das geht nicht" aber dann fuhren wir
einfach. Zuerst Thomas, danach war ich dran. Eddy hörte sehr schön auf uns und
gab sich alle Mühe - wir natürlich auch! Und: Es hatte sich gelohnt. Am
späten Nachmittag kamen die Richter nach eingehender Beratung zu uns
Prüflingen und wir konnten gemeinsam mit einem Gläschen Sekt anstoßen: Wir
hatten bestanden!!!!!
Es war eine riesen Freude und Thomas und ich waren besonders
stolz: Unser Eddy ist der Beste! Mit ihm habe ich nicht nur das Reitabzeichen
sondern nun auch das Fahrabzeichen bestanden!

© 2002 by Katrin Maerten, Wintermoor / Germany.
Letzte Änderung: 30.06.02